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Wie ein spezieller Draht die Solarindustrie verändern könnte

  • 8. Mai
  • 3 Min. Lesezeit

Warum SOLYCO TECC GmbH auf kritische Rohstoffe verzichten will

Die Solarindustrie gilt als Schlüsseltechnologie der Energiewende. Doch selbst moderne Solarmodule enthalten bis heute Materialien, die in vielen anderen Industrien längst problematisch oder sogar verboten sind: Silber, Blei oder Bismut. Genau hier setzt die Berliner SOLYCO TECC GmbH mit ihrer Technologie TECC-Connect an.


Im Gespräch erklärt Geschäftsführer und Erfinder Dr. Lars Podlowski, warum ein scheinbar kleines Detail in Solarmodulen enormes Potenzial besitzt – und weshalb echte Deep-Tech-Innovationen oft aus Werkstätten und Produktionshallen kommen, nicht aus Pitchdecks.



Was genau ist TECC-Connect und welches Potenzial hat diese Technologie für die Solarindustrie?

„Im Kern geht es um ein Detail in der Produktion von Solarmodulen“, erklärt Dr. Lars Podlowski. „Die einzelnen Solarzellen müssen elektrisch miteinander verbunden werden. Dafür werden Drähte auf die Solarzellen aufgebracht.“


Bisher geschieht das meist durch Löten. Das Problem: Die verwendeten Lote enthalten häufig Schwermetalle wie Blei oder Bismut. Zwar existieren dafür Ausnahmeregelungen in der Solarindustrie, nachhaltig sei diese Lösung jedoch nicht.


Andere Ansätze setzen auf elektrisch leitfähige Kleber – diese benötigen allerdings große Mengen Silber und sind dadurch teuer sowie rohstoffkritisch.


TECC-Connect verfolgt deshalb einen anderen Ansatz: Ein speziell beschichteter Kupferdraht wird thermisch aktiviert und verbindet sich dadurch direkt mit der Solarzelle.


„Die Besonderheit besteht darin, dass der Draht extrem dünn mit einem speziellen Kunststoff-Kleber beschichtet ist“, sagt Podlowski. „Dadurch können wir praktisch jede Solarzelle kontaktieren.“


Das Ziel: kritische Rohstoffe in Solarmodulen drastisch reduzieren – ohne die industrielle Skalierbarkeit zu verlieren.


Welche Rolle spielt Deep Tech bei TECC-Connect?

Für Podlowski ist die Antwort eindeutig: „TECC-Connect basiert auf einer technologischen Erfindung – nicht auf einem neuen Geschäftsmodell oder einer App.“

Die Entwicklung sei stark von materialtechnischen Untersuchungen, Produktionsprozessen und Maschinenbau geprägt.


„Das ist klassisches Engineering“, sagt er. „Viel Fertigungstechnik, viel Materialwissenschaft – und ehrlich gesagt wenig KI oder Software.“

Gerade deshalb sieht er TECC als echtes Deep-Tech-Projekt: Die Technologie entstand aus jahrzehntelanger Erfahrung in der Photovoltaikproduktion.


„TECC hätte vermutlich nicht direkt aus einer Universität entstehen können“, meint Podlowski. „Dafür braucht man sehr spezifisches Wissen aus der industriellen Modulproduktion.“


Wie kam es zur Gründung?

Die Geschichte von TECC beginnt nicht mit einem typischen Gründerteam frisch von der Universität.


„Wir sind keine klassischen Start-up-Gründer Anfang zwanzig“, sagt Podlowski. „Die Gründer haben im Schnitt rund 50 Jahre Erfahrung und viele Jahre in der Solarindustrie gearbeitet.“

Nach dem Zusammenbruch großer Teile der deutschen Solarproduktion nach 2012 entstand die Idee zunächst im Rahmen von Beratungsprojekten und experimentellen Nebenprojekten.


„Wir haben anfangs sehr low-budget gearbeitet, erste Versuche gemacht und Patente angemeldet“, erinnert sich Podlowski.


Erst mit einer erfolgreichen Patentierung und Fördermitteln aus einem ZIM-Projekt begann die intensive Forschungs- und Entwicklungsarbeit.


Welche Rolle spielt Berlin als Innovationsstandort?

Berlin werde oft mit Software-Start-ups und digitalen Geschäftsmodellen verbunden. Für Hardware- und Produktionstechnologien sei die Realität komplexer.


„Der Ruf Berlins als perfekter Start-up-Standort ist teilweise Mythos“, sagt Podlowski offen. „Andere Regionen bieten zum Teil konkretere Unterstützung.“

Trotzdem sieht er große Vorteile:

  • Zugang zu Netzwerken

  • kreative industrielle Infrastruktur

  • Co-Working- und Hardware-Labs

  • Austausch mit anderen Technologieunternehmen

TECC arbeitete zunächst im MotionLab Berlin und sitzt heute in der Urban Tech Republic auf dem Gelände des ehemaligen Flughafens Tegel.

„Gerade für Hardware-Entwickler sind solche Orte enorm wertvoll“, erklärt Podlowski. „Man findet Werkstätten, 3D-Drucker und andere Unternehmen, mit denen Kooperationen entstehen können.“


Arbeitet ihr mit Forschungseinrichtungen zusammen?

Die Zusammenarbeit mit Hochschulen konzentriert sich vor allem auf Nachwuchsförderung.

„Wir bieten regelmäßig Praktika sowie Bachelor- und Masterarbeiten an“, sagt Podlowski. „Das ist für uns sehr wichtig.“

Darüber hinaus gibt es punktuelle Kooperationen mit dem Helmholtz-Zentrum Berlin.


Welche Herausforderungen adressiert TECC konkret?

Für TECC geht es nicht nur um technische Verbesserungen, sondern um strategische Resilienz der Solarindustrie.


Silber gilt als kritischer Rohstoff. Gleichzeitig steigt der weltweite Bedarf an Photovoltaik massiv.

„Mit unserer Lösung stellen wir der Solarindustrie eine Technologie zur Verfügung, die Solarmodule nachhaltiger machen kann“, erklärt Podlowski.

Besonders wichtig sei dabei die universelle Einsetzbarkeit:

  • keine kritischen Schwermetalle

  • deutlich weniger Silberbedarf

  • kompatibel mit unterschiedlichen Zelltechnologien

  • potenziell einfacher in bestehende Produktionslinien integrierbar


Welche Empfehlungen habt ihr für Gründerinnen und Gründer?

Podlowski empfiehlt jungen Hardware-Teams vor allem pragmatische Netzwerke und geteilte Infrastruktur zu nutzen.


„Gerade am Anfang lohnt es sich, in Umgebungen zu arbeiten, in denen Maschinen, Werkstätten und andere Entwickler verfügbar sind.“

Wichtig sei außerdem Geduld:

„Hardware-Entwicklung dauert länger als Software. Man muss lernen, mit Rückschlägen und langen Entwicklungszyklen umzugehen.“


Was sind eure Pläne für die kommenden Jahre?

Der Fokus liegt nun klar auf der Industrialisierung.

„Unser Ziel ist es, die erste Generation eines kommerziellen Produkts serienreif zu machen“, sagt Podlowski.


Gemeinsam mit Partnern arbeitet TECC daran, dass erste Produkte auf Basis der Technologie ab Anfang 2027 verfügbar werden.

„Jetzt geht es darum, aus einer technologischen Idee einen industriellen Standard zu machen.“

 
 
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